Food Crash

Mo, 11/05/2012 - 17:46 - anton

Buchvorstellung

 

Die industrielle Landwirtschaft - Eine Sackgasse

"Food Crash" von Felix zu Löwenstein

 

Es gibt schon viele Bücher über den Hunger in der Welt. Wer die Problematik verfolgt, wie die OEW, weiß: Hunger und Unterernährung sind nicht bloß Folge von Dürren und Naturkatastrophen, sondern Hunger wird gemacht. Er ist ein florierendes Geschäft für die Agrar- und Chemieindustrie mit Pestiziden, Düngemitteln und Gentechnik-Saatgut. Weltweite Unterernährung ist eine katastrophale Folge der verfehlten Agrar- und Ernährungpolitik, von ungerechter Verteilung von Ressourcen wie Wasser und Boden, von globaler Handelspolitik und Nahrungsmittelspekulation, von nicht nachhaltigen Produktionsverfahren und Konsumverhalten. 70% der weltweit hungernden Menschen sind Kleinbauern. Ebenso bewusst geworden ist, dass rund 12% der weltweiten Treibhausgasemissionen von der Agrarindustrie verursacht werden. Ein Teufelskreis, denn die fortschreitende Erderwärmung wirkt sich ihrerseits dramatisch auf die Landwirtschaft aus.

"Food Crash" von Felix zu Löwenstein ist ein packend erzähltes Sachbuch, das komplexe Zusammenhänge gut verständlich beschreibt und mit wissenschaftlichen Daten und Bildmaterial untermauert, aber auch Lösungen anbietet. "Wir werden uns entweder ökologisch ernähren oder gar nicht mehr": mit dieser zugespitzten These bringt zu Löwenstein die Alternative auf den Punkt. Er fordert den globalen Übergang von der ressourcenfressenden industriellen Nahrungsmittelproduktion hin zur kleinbäuerlich organisierten ökologischen Landwirtschaft. Dafür hat der Autor eine Fülle von Erkenntnissen und Erfahrungen zusammengetragen. Als Ökobauer, ehemaliger Entwicklungsarbeiter in der Landwirtschaft auf Haiti und Vorstandvorsitzender des Bundes ökologischer Lebensmittelwirtschaft weiß er, wovon er spricht. Er nennt sein Modell "Ökologische Intensivierung" und meint damit die intelligente Nutzung jeweils zur Verfügung stehender Naturressourcen und den größtmöglichen Verzicht auf Pestizide, Dünge- und Futtermittel, die Abkehr von der Gentechnik und industriellen Tierhaltung. Keine Utopie, sondern eine seit 20 Jahren offizielle anerkannte und rechtlich geregelte Landbau-Methode, die jedoch viel zu langsam wächst, viel zu wenig gefördert wird, und einen schweren Stand gegen die Macht der Agrarindustrie hat.

Der Autor stellt seine Kritik in einen größeren Zusammenhang. Nicht nur WTO und Agrarkonzerne, EU und nationale Regierungen müssen in die Pflicht für diese Wende genommen werden, sondern auch die Bauernverbände und Verbraucher vor Ort, eigentlich wir alle. "Spannend und lebendig erzählt er Erfolgsgeschichten," schreibt die Zeitschrift des bundesdeutschen BUND zu diesem Buch, "die hoffen lassen, dass die Weltbevölkerung nachhaltig und im Einklang mit der Natur ernährt werden kann. Ein lehrreiches Buch nicht nur für Leute vom Fach."

 

Thomas Benedikter

Interview mit dem Buchautor (externer Link)